NEUES AUS BIELEFELD

1

KITA UND SENIORENZENTRUM: IN DEM U-FÖRMIGEN GEBÄUDE AN DER KÖNIGSBRÜGGE, DESSEN BAU JETZT BEGINNT,  SOLLEN LINKS KINDER SPIELEN UND RECHTS SENIOREN WOHNEN. MIETER WIRD DIE AWO. | © ENTWURF: PAPPERT + WEICHYNIK


JOACHIM UTHMANN

BIELEFELD, Neue Westfälische 31.01.2015

Erster Spatenstich für das Lohmann-Carree

An der Köngisbrügge entsteht ein neues Viertel für 500 Menschen / Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro

Mitte. Zuletzt stellten die früheren Lohmann-Werke auf dem Gelände an der Königsbrügge Sonnenkollektoren her, die nach Kalifornien geliefert wurden. Mehr als 15 Jahre nach dem Ende der Fabrik soll auf dem drei Fußballfelder großen Areal ein neues Wohnviertel entstehen – für 500 Menschen. Am Freitag erfolgte der erste Spatenstich im künftigen Lohmann-Carree – für die Kindertagesstätte, die mit einem Haus für Senioren verbunden wird.

Mehr als 30 Millionen Euro sollen laut Investor Dirk Thiel von der Firma „pb planen und bauen“ (Bünde) in das Quartier fließen, in dem gut 130 Wohneinheiten vor allem für Familien entstehen sollen. Zur Detmolder Straße hin schirmen zwei Längs- und ein Querriegel für Wohnungen auf 130 Metern das Gebiet ab. An der Ecke Prießallee schließt sich ein Gewerbe- und Wohnhaus an. Im Innern sollen 28 Stadthäuser als Eigenheime entstehen.

 

JUNG UND ALT

Der erste Spatenstich für Kita und Seniorenhausgemeinschaft, die rund 4,5 Millionen Euro kosten sollen, bildete jetzt den Auftakt des Großprojekts, das neue Menschen in das historische Viertel um den roten Platz an der Königsbrügge und den TuS-Eintracht-Sportplatz bringen soll. Architekt Michael Pappert kommt es dabei auf einen Mix aus Mietwohnungen, Eigenheimen, Kita und Senioreneinrichtung an: „Eine gute und ausgewogene Stadtentwicklung, die gerade auch den dringend benötigten Wohnraum für Familien schafft.“ Vorbild sei das Paulus-Carree in der östlichen Innenstadt, an dem die jetzigen Akteure mit beteiligt waren.

Die Kinder hätten beim ersten Spatenstich ihre Freude gehabt. Im dichten Schneetreiben stellten sich Architekten, Planer und künftige Mieter zum Foto am Bagger, der den Grund für das U-förmige Gebäude an der Königsbrügge herrichtet. Darin sind eine zweigeschossige Kita und ein dreigeschossiges Seniorenzentrum mit Staffelgeschoss geplant.

Mieter wird die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die ihre Kita Ehlentruper Weg in den Neubau verlagert und um eine Gruppe auf drei vergrößert. „Er ersetzt den nicht mehr zeitgemäßen Bau am Ehlentruper Weg“, erklärte Klaus Dannhaus, Vorstandsvorsitzender der AWO Ostwestfalen-Lippe. 62 Kinder können hier künftig spielen. Der Mehrbedarf ergebe sich aus dem neuen Viertel. Am 1. August soll die Kita schon öffnen, kündigte Pappert an.

RIEGEL ZUR DETMOLDER

Wert legt die AWO auf das Zusammenleben von Jung und Alt. Deshalb kombiniert sie die Kita mit der Seniorenhausgemeinschaft, für die im Erdgeschoss Gemeinschaftsflächen mit Küche sowie eine ambulant betreute Wohngruppe für acht Bewohner eingerichtet und in den oberen Etagen 16 barrierefreien Wohnungen gebaut werden. Betreiber der Einrichtung werde das Zentrum für Pflege und Gesundheit gGmbH, ein Unternehmen des Klinikums Mitte und der AWO.

Die meisten Wohnungen (64) werden die Riegel an der Detmolder Straße aufnehmen, die zur Hauptstraße hin schallisoliert werden und vor allem familiengerechte Einheiten mit vier Zimmern und mehr haben. Unten ist ebenfalls eine betreute Wohngruppe geplant. Auch diese Bauten wollen noch 2015 beginnen, so Pappert und Ende 2016 stehen. Darunter ist eine Tiefgarage. „Der Stellplatz-Schlüssel liegt bei 1:1″, betont der Architekt und ergänzt mit leichtem Seitenhieb auf die Auflagen der Stadt: “ Das ist direkt an einer Stadtbahn-Haltestelle und im Vergleich zu anderen Städten sehr hoch.“

ALTLAST VERZÖGERT START

Eigenheime sollen in den Stadthäusern entstehen – hier muss die Stadt aber noch einen Bebauungsplan aufstellen. Das Verfahren laufe. Die Zufahrten mussten auf Kritik aus der Politik hin geändert werden. Jetzt gibt es auch eine Verbindungsstraße zur Königsbrügge, wo erst nur ein Fußweg geplant war. Pappert bleibt aber zuversichtlich, dass die Bauten 2016 anfangen können. Die Bauzeit liege bei knapp zwei Jahren.

Der Start fürs Lohmann-Carree war schon Mitte 2014 geplant. Doch die Beseitigung von Altlasten auf dem alten Industriegelände hätten ihn verzögert, so der Architekt. Ein Pluspunkt sei, dass das Viertel jetzt mit Fernwärme versorgt werde. Das eröffne auch für die angrenzende Königsbrügge-Siedlung Möglichkeiten.

Auch am alten Lohmann-Verwaltungsgebäude, das als einziges stehen geblieben ist, wird geplant. Hier könnten Loft- und Penthousewohnungen entstehen. Eigentümer ist der Bielefelder Projektentwickler Klaus Spirovski.